Lucian Nastasã

 

 

Der universitäre Antisemitismus Rumäniens

in der Zwischenkriegszeit

 

 

Der Ausgang des Ersten Weltkriegs bedeutete für das alte Königreich Rumänien die Erfüllung seiner irredentistischen Wünsche, denn durch die neuen Grenzziehungen fielen Territorien an Rumänien, die bislang Teile der habsburgischen Donaumonarchie oder Rußlands gewesen waren: darunter Siebenbürgen, drei Viertel des Banats, Bessarabien und die Bukowina. Das Königreich verdoppelte dadurch sowohl sein Territorium wie seine Bevölkerung, war allerdings auch mit einer Fülle neuer Probleme konfrontiert[1]. Das neue Grossrumänien zeichnete sich durch gravierende regionale Unterschiede nicht nur in seiner ethnischen und religiösen Zusammensetzung aus, sondern auch was das soziale, ökonomische und kulturelle Profil der einzelnen Regionen betraf.

Die statistischen Erhebungen von 1899 und 1930 dokumentieren die Veränderungen am anschaulichsten: 1899 lebten im alten Königreich 5.956.690 Einwohner, von denen 91,5% orthodoxe Christen, 4,5% Juden, 2,5% römisch-katholische Christen, 0,7% Mohammedaner, 0,4% protestantische Christen und 0,4% anderen Religionsgemeinschaften angehörten; 1930, bei einer Bevölkerung von 18.057.028 Einwohnern, sah die Verteilung folgendermaßen aus: 72,59% orthodoxe Christen, 7,9% griechisch-katholische (unierte) Christen, 6,83% römisch-katholische Christen, 4,19% Juden, 3,93 reformierte Christen, 2,2% lutherisch-evangelische Christen, 1,02% Mohammedaner und 1, 34% „andere”. 71,7% waren ethnisch rumänisch, gut 28% 5.069.000 Einwohner, also fast die Bevölkerungszahl des alten Königreichs im Jahre 1899 – zählten zu den Minderheiten im Staatsgebiet[2]. Grossrumänien war also ethnisch und religiös heterogen, wobei die Masse der Minderheiten in den neu erworbenen Provinzen wohnte.

Jede der neuen Provinzen brachte ihre Eigenheiten und Spezifikationen mit, die nur schwer mit den Strukturen des alten Königreichs auf einen Nenner zu bringen waren. Daher war es aus der Sicht der politischen Zentrale notwendig, ein Programm der „nationalen Vorherrschaft” zwecks Integration der neuen Provinzen in den vergrößerten und als ethnisch-rumänisch definierten Staat durchzuführen. Nach der damaligen, im politischen Denken der politischen Klasse Bukarests vorherrschenden Auffassung ging es darum, den politischen, ökonomischen und kulturellen Vorrang der ethnischen Rumänen vor den Minderheiten zu sichern bzw. herzustellen und dementsprechend deren „Anderssein” bzw. Abweichungen zu minimieren.

Im folgenden soll die Praxis des Antisemitismus auf einem Gebiet behandelt werden, wo er am offensichtlichsten war: in der Universität. Dies war der Ort, an dem antisemitische Kräfte erhebliche Stärke gewannen und wo es zu Unruhen und Gewalttätigkeiten kam[3]. Maßgeblich beteiligt daran waren „nationalistische” studentische Korporationen, die zu politischen Aktivistengruppen von Parteien oder Organisationen wie der Christlich-Sozialen Liga, der Rumänischen Aktion, der National-Rumänischen Fascia, der National-Christlichen Verteidigungsliga, der Erzengel Michael Legion, der „Alles für das Land"-Bewegung, der Eisernen Garde u.a. Um trotz ausstehender Arbeiten über die Verteilung antisemitischen Potentials im sozialen Raum die Rahmenbedingungen der antisemitischen „Krise” auszuleuchten, sollen einige, sehr unterschiedliche Faktoren erörtert werden

Ein Erklärungsansatz für die Spannung zwischen der dominierenden Ethnie und den Juden war das wirtschaftliche und soziale Ungleichgewicht zwischen diesen beiden Gruppen[4]. Juden hatten sich im 19. Jahrhundert fast überall in Rumänien als starke Kraft in der Wirtschaft und in den moderneren Professionen erwiesen, und waren seitens der nicht-jüdischen Bevölkerung, insbesondere bei mangelnder Ausbildung, unerfüllten Karrierehoffnungen und drohendem oder realem sozialen Abstieg, oft genug Vorwand und Anlaß für diskriminierende Praktiken. Der wirtschaftliche Erfolg der nichtjüdischen und jüdischen Unternehmerschaft ging Hand in Hand mit dem Niedergang großer Teile des Landadels, der Stagnation oder Verarmung des traditionellen Handwerks, und der allgemein verbreiteten Furcht vor Statusverlust und wirtschaftlichem Niedergang all der gesellschaftlichen Schichten und Gruppen, die sich im kapitalistischen Wettbewerb nicht behaupten konnten. Unabhängig davon, ob tatsächlich zwischen nicht-jüdischen und jüdischen Gruppen Rivalitäten entstanden oder ob Juden lediglich als Sündenböcke für die Übel einer offenen Gesellschaft dienten, unterstützte der rückwärts gewandte Antikapitalismus im alten Königreich antisemitische Haltungen. Während der wirtschaftlicher Krisen gelang es rechtsradikalen politischen Bewegungen, die antisemitischen Stimmen zu orchestrieren, den Mob zu mobilisieren und in den Jahren 1933 und 1937/38 einige Wahlerfolge vorzuweisen.

Die im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts eingeführten antisemitischen Gesetze und Verordnungen wurden nach dem Ersten Weltkrieg unter internationalem Druck und mit der Verabschiedung der neuen Verfassung von 1923 aufgehoben[5]. Doch führte diese Gleichstellung auf dem Papier nicht zu einer sozialen Koexistenz im neuen Rumänien, sondern sogar zu einer Verschärfung der Spannungen. Es sind zumindest drei Ursachenkomplexe auszumachen: der interne Zustand der rumänischen Gesellschaft, die Novemberrevolution in Rußland und die Räterepublik in Ungarn mit dem sich anschließenden „weißem Terror” und die angespannten rumänisch-ungarischen Beziehungen.

Trotz der in die Verfassung aufgenommenen Artikel zum Schutz der Minderheiten blieben die diskriminierenden Regulierungen und Praktiken faktisch weiterhin gültig. Der öffentliche Sektor war für Minderheiten so gut wie versperrt, und das galt insbesonders für Juden. Verwaltung, Armee und Erziehungswesen waren also für ethnische Rumänen so gut wie reserviert, so dass Juden in die nicht staatsprotegierten Bereiche der Wirtschaft, den kulturellen Bereich, die Presse, das Verlags- und Filmwesen auswichen. In diesen Bereichen waren sie dementsprechend überrepräsentiert und hoch qualifiziert und damit in der Öffentlichkeit sichtbar. In den Augen vieler ethnischer Rumänen, die mit der wirtschaftlichen Entwicklung nicht Schritt halten konnten, wurde die jüdische Forderung nach Gleichberechtigung schlicht als Versuch der Etablierung einer allgemeinen jüdischen Hegemonie im Lande verstanden.

Auch in Rumänien nutzten Juden, die traditionell Bildung hochschätzten, ausgiebig das Erziehungssystem, zumal Wissen und Ausbildung auch die existierenden und verbliebenen sozialen Benachteiligungen kompensieren konnten und sollten[6]. Nach dem Ersten Weltkrieg wandte sich eine junge Generation von Juden verstärkt dem Universitätsstudium zu, nicht zuletzt als Mittel weiterer sozialer Integration in die Mehrheitsgesellschaft, um so die letzten Reste des Stigmas als „Fremder” zu verlieren[7]. Offensichtlich wurde auf jüdischer Seite verstärkt in (Aus-)Bildung und Wissenschaft investiert, während auf christlicher Seite nach wie vor die Reproduktion Vorrang hatte.

Mit der Staatsvergrösserung 1918/20 hatte sich der Markt für Universitätsabsolventen deutlich erweitert. In den neuen Provinzen, insbesondere in Siebenbürgen und der Bukowina, wurde neue Verwaltungsstrukturen mit weitgehend neuem Personal aufgebaut. S. Manuila hat in seinem Artikel Les problèmes démographiques en Transylvanie auf den Ablauf und die Ausmaße der Rumänisierung der siebenbürgischen Städte hingewiesen: waren 1910 von der städtischen Bevölkerung 62% ethnische Ungarn und lediglich 19,6% Rumänen und bis 1918 kaum Änderungen eingetreten, so war 1930 der ungarische Anteil auf 38,4% gefallen und der rumänische auf 35,3% angestiegen[8]. In der österreichischen Bukowina ergab die Volkszählung 1910 bei einer Gesamtbevölkerung von 794.869 Einwohnern 38,12% Ruthenen, d.h. Ukrainer, 34,36% Rumänen, 12,94% Juden und 8,58 Deutsche. Von der 4.941 Köpfe umfassenden höheren Beamtenschaft waren 23,88% Rumänen, 19,53% Juden, aber 56,58 „andere”, d.h. vor allem Deutsche. Die Einwohnerschaft von Czernowitz, der Hauptstadt der Bukowina, setzte sich zu 43,43% aus Juden, 18,76% aus Polen, 18,34% aus Ruthenen/Ukrainern, 9,56% aus Deutschen und lediglich 9,07% Rumänen zusammen. Und in der Provinzstadt Suczawa lebten 37,12% Juden, 32,4% Rumänen und 19,87% Deutsche[9]. In der Bukowina gehörten Juden nicht nur zur gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Prominenz, sondern zählten auch zur politisch relevanten Elite: 86% der in Czernowitz zugelassenen Anwälte waren Juden, zweimal waren dort in österreichischer Zeit Juden Bürgermeister gewesen[10]. Für die politische Klasse des Königreichs hatte nach 1918 der Aufbau von Institutionen Vorrang, in denen eine ethnisch-rumänische Elite herangezogen werden sollte: die Universitäten, die Theater, die meisten Oberschulen und Tageszeitungen. Mit der regierungsamtlichen Absicht, die im Bereich der Eliten die Hegemonie der ethnischen Rumänen gegen die Minderheiten durchzusetzen, begann nach 1918/20 ein Run auf die Universitäten. Um diesen Erwartungen zu entsprechen, wurde das rumänische Universitätssystem durch zwei Neugründungen in Klausenburg und Czernowitz verdoppelt.

Die soziale Zusammensetzung der Studentenschaft in der Nachkriegszeit war durch zwei Faktoren charakterisiert: durch die Rückkehr der Kriegsteilnehmer und die deutliche Zunahme des Anteils weiblicher Studierender: waren es 1903/04 ganze 6,24% der Studentenschaft im alten Königreich, so stieg ihr Anteil in Grossrumänien 1924/25 auf 21,88% und 1934/35 auf 30,66%[11]. Die Investition in Bildung war also auch bei der nicht-jüdischen Bevölkerung zu Ansehen gekommen[12].

Die Universitäten waren staatliche Einrichtungen, und trotz einiger Lippenbekenntnisse zur Autonomie der Hochschulen blieben die Universitäten fest in den Händen der politischen Verwaltung, die je nach ideologischer Richtung oder Parteizugehörigkeit ihre jeweilige Klientel bediente. Besonders bei der Besetzung von Lehrstühlen wurden Abstimmungen und Entscheidungsprozesse manipuliert. So führte die Nominierung der Professoren Eugen Ehrlich und Adolf Last für Lehrkanzeln an der Universität Czernowitz zu einer nationalistischen und antisemitischen Hetzkampagne in der Presse[13]. Es war ein Element der Regierungspolitik, die Hauptstadtuniversität und vor allem die Universität in Klausenburg verstärkt zu fördern, während die Universitäten in Jassy und Czernowitz weit ins Hintertreffen gerieten und sich in jeder Hinsicht vernachlässigt fühlten.

Obwohl in den 1920er Jahren der Hochschulzugang durch keinerlei Restriktionen behindert wurde, die Rekrutierung der Studentenschaft auch durch keine bevorzugende oder diskriminierende Politik gesteuert wurde, so führten die unterschiedliche Ausstattung der Universitäten und die gravierenden sozioökonomischen Unterschiede zwischen den Regionen Grossrumäniens zu einer klaren Chancenungleichheit verschiedener Bevölkerungsgruppen: Bessarabien war am wenigsten entwickelt, die Moldau lag im Mittelfeld, während Siebenbürgen am besten dastand.

In der alten Hauptstadt der Moldau, Jassy, entwickelte sich nach 1918 eine besondere Situation. Nachdem die Stadt zuerst durch den Zustrom von Kriegsflüchtlingen überfüllt gewesen war, die ihre finanziellen Ressourcen auffraßen, erwiesen sich die in den miserablen Kriegsjahren erträumten Hoffnungen auf eine neue Glanzzeit (noua stralucire) als Hirngespinst: „Millionen”, die für Neubauten und Modernisierung bereit gestellt worden waren, verschwanden durch Fehlinvestitionen inmitten der kurzen Nachkriegseuphorie[14]. Uninformierten Beobachtern dürfte Jassy, ja die ganze Moldau, Anfang des 20. Jahrhunderts als ein hauptsächlich von Juden bevölkertes Gebiet erschienen sein. Tatsächlich waren 1899 84,2% der Bevölkerung orthodoxe Christen und lediglich 10,6% Juden[15]. Da jedoch 80% der Juden zur städtischen Bevölkerung zählten und dort z.B. als Handwerker und Händler sichtbar waren, entstand der falsche Eindruck, dass Juden die Bevölkerungsmehrheit stellten[16]. In Städten wie Jassy und Botosani stellten Juden 50-56% der Bevölkerung, in Bârlad und Focºani waren es 25-45%[17]. Der Rektor der Universität Jassy in der Zwischenkriegszeit beschrieb die Lage in der Region: „Die Juden machten die Mehrheit der in den kleinen und grossen Städten lebenden Bevölkerung in Moldau im alten Königreich aus. Da es ihnen verboten war, sich auf dem Lande niederzulassen, konzentrierten und vermehrten sie sich in den Städten, wo sie nahezu exklusiv Handel, Klein- und Grossindustrie kontrollierten. Sie bildeten den Mittelstand, die Bourgeoisie und einen Teil der armen Bevölkerung; dagegen hatten die Rumänen lediglich Zugang zu Stellen in der Verwaltung, lebten meist in Slums und führten ein ländlich geprägtes leben. dadurch haben alle Städte einen speziellen jüdisch-rumänischen Charakter“[18].

Nach der Angliederung Bessarabiens an Rumänien strömten bessarabische Studierwillige, mehrheitlich Juden, nach Jassy, einerseits wegen der geographischen Nähe, andererseits wegen der ausgebauten jüdischen Infrastruktur[19]. So nutzten die in Oberschulen gut ausgebildeten Juden die vom Königreich Rumänien und der Universität Jassy angebotenen Einrichtungen und den Fonds zur Unterstützung von bessarabischen Studenten, der u.a. Stipendien vergab. Angesichts der Armut in Bessarabien erhielten zahlreiche Studenten derartige Unterstützungen[20]. Die Möglichkeit zu studieren war für die bessarabischen jüdischen Studierenden ein um so größerer Schritt aus der erzwungenen Marginalisierung, als die antijüdischen Restriktionen im zaristischen Rußland umfassender waren als im alten Königreich Rumänien. Diese studentische Zuwanderung nach Jassy fiel mit dem Bürgerkrieg in Russland und der Ukraine zusammen, und als Kriegsfolge flohen zahlreiche, meist jüdische Studenten aus Odessa nach Jassy. Da in Jassy auswärtig erworbene akademische Prüfungen und Abschlüsse anerkannt und in äquivalente rumänische Zertifikate umgewandelt wurden, kam es in dieser unübersichtlichen Lage zu zahlreichen Unregelmäßigkeiten. Abschlüsse und Titel waren käuflich; 1921 wurden die Mitarbeiter der Universitätsleitung ausgetauscht und der „Kopist” Louis Stifler, der Kopien von Briefköpfen und Sigeln des Rektorats bei sich hatte, vor Gericht gestellt[21].

Zu dieser Konfusion kam die von der Presse geschürten Angst vor der „kommunistischen Gefahr”, die durch Berichte aus dem bolschewistischen Russland und aus Ungarn, wo Juden während der Herbstereignisse 1918 eine führende Rolle gespielt hatten, genährt wurde[22]. Hier ist zu berücksichtigen, dass einige aus Bessarabien stammende Studenten tatsächlich kommunistische Propaganda trieben. Die Presse assoziierte Juden zunehmend mit „Freimaurern” und „Bolschewisten”, schürte damit alte Animositäten, schuf Mißtrauen und förderte Intoleranz. In den politischen Prozessen der ersten Nachkriegsjahre wurden die bessarabischen Juden als Kommunisten entlarvt, und auch die Berichte der Rumänischen Geheimpolizei stellten diesen Zusammenhang her. In einem Bericht des 4. Armeekorps vom März 1920 hieß es, dass 32 Studenten „im Dienste der russischen Bolschewisten als Propaganda-Agenten” in der Universität Jassy aktiv seien[23]. Die Überwachung durch die Geheimdienste wurde fortgesetzt, und ein Student wie Gh. Zane, der später Professor an der Universität wurde, galt als Mitglied einer „Sozialistisch Bolschewistischen Kamarilla” in einem der Studentenwohnheime[24]. Ein anderer Bericht des Geheimdienstes des 4. Armeekorps entdeckten in Jassy „bolschewistische und kommunistische Nester, die geheime Druckhäuser besitzen, und zu deren Mitgliedern vor allem bessarabische jüdische Studenten zählen;” die meisten hätten gefälschte Ausweise und besuchten die Universität nicht. „Die bessarabischen Studentenwohnheime, besonders die von Juden sind nicht anderes als mächtige Zentren kommunistischer Propaganda, und die Tatsache, dass sie alle russische Mützen [à la Lenin ?] trügen, zeigt deutlich, dass sie weit davon entfernt sind, rumänische Gefühle zu nähren“[25].

Nach der Verhaftung einiger bekannter kommunistischer Studenten gelang es bessarabischen Studenten, Ende März 1921 einen dreitägigen Streik an der Universität in Jassy zu organisieren; sie scheiterten allerdings bei ihrem Versuch, auch die Bukarester Studenten für einen Streik zu gewinnen[26]. Beispiele wie dieses lassen sich beliebig erweitern, und in dieser Lage verfasste die Christliche Studentenvereinigung von Jassy ein Mémoire, in dem sie darum baten, die grossen bessarabischen Studentengruppen in kleine Gruppen aufzuteilen und über das ganze Land zu verteilen. „Nur so kann die Brutstätte marxistischer Theorien zerstört werden,” die die „national-konservativen Ideen” der Christlichen Studentenvereinigung bedrohe[27].

Schließlich ist für die Analyse der Nachkriegsatmosphäre in Rumänien auch die Entwicklung in Ungarn zu berücksichtigen[28]. Auf Grund des „Weißen Terrors” nach Niederschlagung der Räterepublik und der Stärke der antisemitischen Bewegung in Ungarn emigrierten zahlreiche Juden nach Westeuropa, aber auch nach Siebenbürgen, wie selbst Universitätsstatistiken belegen[29]. Im Gegensatz zu Vorkriegs-Ungarn, wo Juden sich sprachlich-kulurell weitgehend assimiliert und in allen Sektoren moderner Wirtschaft und Kultur bedeutende Funktionen innehatten, betrachtete Bukarest Juden als grundsätzlich nicht assimilierbar[30]. Die siebenbürgischen Juden hielten, von vernachlässigenswerten Ausnahmen abgesehen, auch in der Zwischenkriegszeit an ihrer ungarischen (Teil-) Identität fest[31]. Angesichts der Stärke der ungarischen Minderheit in Siebenbürgen herrschte trotz des auch hier dominanten rumänisch-nationalistischen Diskurses auf der unpolitischen Ebene des täglichen Lebens eine deutlich tolerantere Praxis im Zusammenleben der Mehrheits- und Minderheitsethnien, so dass antisemitische Ausbrüche weniger gewalttätig blieben als im alten Königreich[32]. Jahrhunderte gemeinsamen Zusammenlebens, die Selbstverständlichkeit der Existenz anders-seiender Konfessionen – in Siebenbürgen war mit mindestens sieben Konfessionen zu rechnen – und ein gewisser Grad an Modernität und Zivilisation sorgten für ein gesitteteres Verhalten zwischen den Ethnien. Nur in Ausnahmesituationen wie einigen Wahlkämpfen wurden gewalttätige Formen der Auseinandersetzung provoziert oder herbeigeführt. Das soll nicht heissen, dass der Prozess der „Rumänisierung” nicht praktiziert wurde, nur richtete er sich in Siebenbürgen gegen alle nicht ethnisch rumänischen Bevölkerungsgruppen, denen mangelnde Identifikation mit den Interessen des Königreichs Rumänien unterstellt wurde[33]. Die interkonfessionellen und interethnischen Friktionen blieben unter Kontrolle, zumal die Regierung in die neugegründete rumänische Universität im überfüllten Klausenburg besonders viel investierte und insbesondere für die Studenten gute Wohn-, Verpflegungs- und Studienbedingungen garantieren konnte; hinzu kam, dass in Klausenburg die Professorenschaft einen hohen sozialen Status genoss[34].

Allerdings führte die nationale Hochstimmung nach Ende des Ersten Weltkriegs auch dazu, dass Emotionen und Intoleranz die Oberhand gewannen, und zwar nicht nur gegenüber „anderen”, sondern auch innerhalb der rumänischen Ethnie. So bestimmte das Königliche Dekret No. 441 vom 21. Januar 1921, dass Universitätsprofessoren mit einer „atitudine antinationala” von der Lehre zu suspendieren seien, wodurch sie politisch marginalisiert wurden. Die politischen Spielereien und Intrigen, die Klientelpolitik und Geheimniskrämerei der Vorkriegsgeneration wurden der nächsten Generation vermittelt und hatten dort einen negativen Einfluß. Diese jüngere Generation beanspruchte, nicht nur die Ambitionen der Älteren erfüllen zu wollen, sondern hoffte angesichts ihres Kriegseinsatzes auch, stärker respektiert und berücksichtigt zu werden; doch blieb die alte Generation von politischen Akteuren unter sich. Das Konzept der „Generation” sollte eine aufgrund gemeinsamer Erfahrungen und Erwartungen zusammengeschweißte Kohorte benachbarter Jahrgänge suggerieren, deren politische Ziele über die „Grosse Union” – die Annexion der neuen Provinzen – und die Vorstellungen der Vorkriegsgeneration hinausging. Der Generationsbegriff kam nach 1918 auf, verschränkte sich mit dem Konzept des Nationalismus und formierte den dominaten, geradezu obsessiven Diskurs der Jüngeren[35].

„Der Optimismus der heroischen Generation” war allerdings unbegründet[36]. Denn auf der Suche nach Modellen blickte die studierende Jugend auf eine in sich zerrissene orientierungslose Gesellschaft. Die „criza morale, criza de ideal, criza de orientare” war allgegenwärtig. Die Zeitschrift „Glasul studentimii” (Stimme der Studenten) hiess es 1934, daß die heutige Generation keine Kindheit gehabt habe; Ihre psychologische Verfassung beruhe auf der Achtung vor den Kriegsgefallenen, daher empfinde sie nur Abscheu vor den Kriegsgewinnlern. Die Antworten auf die Fragen „Was tun wir? Wohin gehen wir?” waren sehr pessimistisch: „Die Orientierungslosigkeit der Jugend, insbesondere der studentischen, nimmt zu: im Westen lockt der Faschismus, im Osten der Kommunismus, während wir im Lande selbst an einem widerlichen Spektakel teilnehmen“[37]. Vielleicht hat Mircea Eliade 1927 den Grundtenor seiner Generation am besten formuliert: „die Pluralität seelischer Erfahrungen”, die nicht jeder nach eingespielten Konventionen und ohne Seelenqualen aussortieren und zugunsten eines Modells lösen konnte[38]. Man kann demzufolge von einer Krise der jungen Generation sprechen, die auf der Suche nach neuen politischen Formeln, nach neuen philosophischen und kulturellen Grundwerten war. Diese Wertekonfusion konnten einige Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Rumänien ideologisch ausnutzen. Auch wenn Antisemitismus nur ein Baustein rechtsradikaler Ideologien war (und ist), so trug er doch entscheidend zur Festigung des Gruppenzusammenhalts und zur Stabilisierung des Gemeinschaftsgeistes rechtsradikaler Gruppierungen bei, und zwar besonders an den Universitäten. Die Ausbildung eines starken, ausgrenzenden Gemeinschaftsgeistes sozialer Gruppierungen kann als Spezifikum in Perioden soziokultureller Krisen gedeutet werden[39].

Die Antisemiten bezogen das Arsenal ihrer Argumentation aus pseudowissenschaftlichen Diskursen, die von einer traditionellen Gegnerschaft zwischen der „arischen” und „semitischen” „Rasse” und dementsprechend zwischen den beiden Religionen ausging und die keinerlei Raum für Annäherungen oder Koexistenz zuließ. In Rumänien wurde die religiöse Komponente sofort politisch aufgeladen, und Vertreter der nationalistisch-christlichen Doktrin machten sich diesen mystischen Aspekt sofort zu eigen, wie ein 1934 verfasster Artikel in der Zeitschrift „Glasul studentimii” belegt: „Christentum – in einer kämpferischen Auffassung – [...] ist der Kampf gegen andere religiöse Strömungen, die es negieren. Daher ist es auch Antisemitismus.” „Angesichts der Tatsache, dass alle Kommunisten Juden sind”, so schloß der Autor, „ist es offensichtlich, dass die gefährlichsten Feinde des rumänischen Staates die Juden sind“[40]. Neben dem mystisch-religiösen und dem antikommunistischen Aspekt wurden die Antisemiten nicht müde, auf den fehlenden staatsbürgerlichen Sinn und die mangelhafte Kriegsbeteiligung der Juden hinzuweisen[41]; ebensowenig fehlte der Hinweis darauf, dass sie andere ausnutzten und mit undurchsichtigen Geschäften und Betrügereien Vermögen anhäuften.

Angesichts der ethnischen Zusammensetzung Gross-Rumäniens und des relativ hohen Bildungsstandes des jüdischen Bevölkerungsteiles sahen sich die Antisemiten im Lande aber auch damit konfrontiert, dass antijüdische Massnahmen auch eine beträchtliche Anzahl von Studierenden betreffen würden. Die Erwartung, dass nach der Landes- und Bevölkerungsverdoppelung 1918/20 sich neue und zahlreiche Möglichkeiten für Universitätsabsolventen bieten würden, wurden enttäuscht. Und nach der Weltwirtschaftskrise 1929/33 sah die Lage noch schlechter aus. Das „intellektuelle Proletariat” war eine offensichtliche Realität und wurde zum Schlagwort in öffentlichen Debatten. Dennoch bot der Status als Student nach wie vor eine moderate gesellschaftliche Stellung[42]; doch konzentrierte sich die harscher werdende antisemitische Agitation auf die Ausbildungsgänge für die freien Berufe (Jura, Journalismus, Medizin, Pharmazie usw.), die eine beträchtliche Anzahl junger Juden angezogen hatte.

Während vor dem Krieg die Juristischen und die Philologischen Fakultäten die bestbesuchten waren, verschob sich der Schwerpunkt der Studierenden jetzt auf die medizinischen, technischen und vor allem juristischen Studiengänge. Auch hier zeigte sich, dass die nicht-jüdische Bevölkerung andere Strategien akademischer Investition verfolgten als die Juden Rumäniens. So war es sicher kein Zufall, dass Juden an den berufsausbildenden Fakultäten die stärkste Feindschaft entgegenschlug. Während der Rektor der Universität in Klausenburg, Sextil Puscariu, in seiner Rede anläßlich der Eröffnung des Studienjahres 1920/21 noch davon sprach, dass die Studierenden der Juristischen und Medizinischen Fakultät sichere und lukrative Karrieren zu erwarten hätten, da Absolventen dieser Fakultäten wegen der starken Nachfrage nach Ärzten und höheren Verwaltungsbeamten im neuen rumänischen Staat gar nicht erst gegeneinander konkurrieren müssten, diskutierte der Senat der Universität bereits im Herbst 1920 die Einführung eines Numerus Clausus für die Medizinische Fakultät, und zwar für Juden aus Ungarn[43]. Denn dort war seit dem 1. September 1920 ein antisemitisch motivierter Numerus Clausus in Kraft getreten. Doch konnte diese evident antidemokratische Idee nicht öffentlich vertreten werden, da gerade erst durch die Pariser Vorortsverträge juristisch bindende Vorschriften zum Schutze ethnischer Minderheiten fixiert worden waren, die auch Rumänien verpflichteten.

Die ethnisch-rumänischen Studenten, die sich auf die freien Berufe vorbereiteten, hofften daher, durch Ausschaltung der jüdischen Konkurrenz ihre Berufschancen und Karriereaussichten zu verbessern. Vor dem Hintergrund einer generellen Missachtung der Probleme der studierenden durch die herrschenden Kreise entwickelte sich die antisemitische Studentenbewegung zu einer veritablen politischen Partei, der „Erzengel-Michael-Legion”. Die Legion arbeitete eine eigenen totalitäre Ideologie aus, um sich politisch zu positionieren. Die Doktrin der Legion forderte neben dem Kampf gegen Juden auch die Ausschaltung der herrschenden politischen Parteien, da die moralische Erneuerung des Volkes die Entfernung der von Juden gesteuerten „camarila oculta”, die das rumänische Finanzsystem beherrschten, verlangte[44]. Dieser Aspekt wurde zuerst auf einem Kongress studentischer Funktionäre in Jassy im August 1923 diskutiert, wo man sich auf den Kampf gegen jene politische Parteien einigte, die sich von der Nation entfremdet hätten und die Wünsche der jungen Generation nicht unterstützten. Die antisemitische Bewegung fand ihre stärkste Unterstützung in Jassy und Bukarest, wo sozioökonomische Enttäuschungen und die Hegemonie nationalistischer Diskurse einen fruchtbaren Boden dafür boten[45].

Die nach 1918 an die Universitäten kommenden Studenten waren zumeist Kriegsteilnehmer gewesen und erwarteten nach den Jahren der Angst und des Elends in den Schützengräben eine sofortige und unmittelbare Kompensation. Sie genossen unter ihren Kommilitonen ein hohes Prestige, und einige von ihnen wurden zu geradezu charismatischen studentischen Politikern. Ihr öffentliches Auftreten, ihr antisemitischer (und auch anderer) Aktivismus, sei es innerhalb oder außerhalb studentischer Organisationen, und schließlich ihre Verfolgung (Relegierung von der Universität, polizeiliche Verhöre, Prozesse usw.) schufen einen deutlich profilierten Personenkult: Zelea Codreanu, I. I. Mota, V. Marin u.a. wurden zu „Märtyrern” und Bewohnern der „Mythologie” der Eisernen Garde, die auch nach ihrem Tode verehrt wurden. Der Senat der Universität Klausenburg verbot 1937 die „Societea studenþilor în litere ºi filosofie” (Gesellschaft der Literatur- und Philosophiestudenten), zum einen wegen auf dem Universitätsgelände verbotener politischer Aktivität, zum anderen wegen einiger Bilder im Hauptquartier der Gesellschaft, die auf ihre Anbindung an die Eiserne Garde hinwiesen. Mitglieder der Gesellschaft protestierten gegen diese, ihrer Meinung nach, Unterstellung, da sie lediglich das Gedächtnis an die „Märtyrer” I. I. Mota und V. Marin pflegten[46]. Personenkult ist ein gern genutzter ideologisch einsetzbarer Hebel, der durch aufwendige und ausgeklügelte Inszenierungen die Massen anzog und anzieht. Das heisst nun aber nicht, dass die gesamte rumänische Studentenschaft antisemitisch war. Denn aufgrund ihrer Heterogenität, ihren unterschiedlichen regionalen, sozialen und politischen Einbindungen, blieben die Studenten durchaus zersplittert und konnten keinen Konsensus bilden. Doch ist festzuhalten, dass die Masse der Antisemiten aus Studierenden sozial niederer, meist ländlicher Herkunft bestanden, die weitgehend mittellos waren. Diese Heterogenität wurde in dem Gesuch der Gesellschaft der Jurastudenten in Jassy um Anerkennung durch die Universität deutlich formuliert: „Es existieren Unterschiede zwischen den Studenten aus den [neu erworbenen] Provinzen und dem [alten] Königreich,” was nach Ansicht der Studenten von großer Wichtigkeit sein; denn die „mentalitate haotica”, das Fehlen einer richtungweisenden Prinzips und Ideals für die künftigen Beamten, Angehörigen der freien Berufe, Anwälte und Politiker sei für den Rumänischen Staat gefährlich. Dementsprechend gab sich die Gesellschaft einen „caracter national” und definierte als „höchstes Ideal die Bewahrung des Bewußtseins brüderlicher Solidarität unter den rumänischen Studenten, wo immer sie herkommen“[47].

Obwohl in der Zwischenkriegszeit keine antisemitischen Gesetze verabschiedet oder Verordnungen erlassen wurden, fanden sich im universitären Bereich in der Zwischenkriegszeit Stimmen, die nicht nur die Begrenzung, sondern den völligen Ausschluss von Juden aus dem höheren Erziehungswesen forderten. Extremistische Gruppen gaben sich mit der Forderung nach einem numerus clausus (numerus valachius) nicht zufrieden und verlangten einen numerus nullus. Jeder Konflikt, jedes Fehlverhalten zwischen Juden und Nichtjuden wurde diskutiert und verbunden mit der Forderung nach Begrenzung oder Ausschluss von Juden im öffentlichen Raum: so war der jüdische Unternehmer Solomon Grünberg 1919 seiner Verpflichtung, die Schulen in der Stadt Jassy mit Brennstoff zu versorgen, nicht nachgekommen, so dass alle Schulen im Februar geschlossen werden mussten[48]; so hatte die Zeitung „Lumea” (Die Welt), Eigentum der Brüder Alfred und Jean Hefter, einen Artikel veröffentlicht, in dem den Juraprofessoren der Universität Jassy irreguläre Praktiken bei Examensprüfungen und Diplomvergabe vorgeworfen wurde[49] – derartige Vorkommnisse, die sich beliebig verlängern lassen – bestärkten Studenten in ihrer antisemitischer Haltung.

An den Universitäten waren es insbesondere die Medizinischen Fakultäten, in denen die Disproportion zwischen ethnischen Rumänen und Juden dazu führte, dass von rumänischer Seite nach antisemitischen Massnahmen gerufen wurde. Ausgangspunkt war Klausenburg, von dort griff die teilweise gewalttätige Welle nach Jassy und Bukarest über. Ausgelöst wurden die Auseinandersetzung durch die Frage des Zugangs zur Sektion, für die eine Parität von christlichen und jüdischen benötigt wurden. Im Dezember 1922 begann die Debatte um konfessionell definierte Segregation und die Einführung eines numerus clausus[50]. Einige von den Universitätsleitungen nicht anerkannte studentische Vereinigungen, die sich in der Regel als „christliche” bezeichneten, griffen zur Gewalt, die geradezu zur Normalität im universitären Raum zählte. Der Direktor des Anatomischen Instituts der Universität Jassy entschied schließlich im November 1923, Juden nicht mehr zum Sezieren zuzulassen[51]. Damit war eine auf konfessioneller Zugehörigkeit basierende Ungleichbehandlung eingeführt, und zwar in einem Ausbildungsgang, in dem die Praxis der Sektion eine wichtige Rolle spielt. Im Sommer 1924 informierte der Dekan der Medizinischen Fakultät das Rektorat, dass jüdische Studenten wieder zur Prüfung in deskriptiver Anatomie zugelassen würden, sofern „die Christen” den praktischen Teil der Prüfung abgelegt hätten und noch verwertbare Leichenteile vorhanden wären[52]. In Bukarest bemühte sich im Februar 1925, auf dem Höhepunkt der studentischen Agitation, der einflussreiche Dr. W. Filderman, die für die Sektionen notwendigen Leichen aus verschieden Teilen des Landes in die Hauptstadt bringen und jüdischen Studenten zukommen zu lassen[53].

            Die diskriminierenden Praktiken gegen Juden sprangen auch auf die anderen Fakultäten über. „Wachposten” an den Universitätszugängen verweigerten jüdischen Studenten oft den Zutritt, was wiederum die Polizei dazu brachte, gegen die antisemitischen Studenten einzuschreiten. „Diese anomale Situation”, so formulierte es ein Protest jüdischer Jurastudenten, sei dadurch gekennzeichnet, dass „christliche Studenten uns systematisch an dem Besuch zahlreicher Universitätsvorlesungen hinderten”., wodurch sie willkürlich, ungerechterweise und deutlich benachteiligt würden[54]. Doch hatte die andere Seite ihre Motive. Eine Veröffentlichung der Christlichen Studentenassoziation stellte fest: „Am 10. Dezember 1924 feiern wir den dritten Jahrestag, seit die rumänischen Studenten den Kampf für den numerus clausus aufgenommen haben, um die herrschende Klasse [sic] gegen fremde Elemente zu verteidigen, die in sie eingedrungen sind und angesichts ihrer besseren materiellen Ausstattung und einiger anderer Charakteristika sie zu vernichten suchen, um die Führung der rumänischen Nation zu übernehmen”. Die Studenten würden, auch wenn sie keinerlei staatliche Unterstützung fänden und lediglich auf „Desinteresse, Blasphemie oder Polizeiknüppel” stiessen, weiter kämpfen; die Rumänen könnten sehen, dass die „aufrechten Studenten” die „herrschende Klasse verteidigten” [...], die verlorene Hegemonie „aus den Händen der Fremden zurückeroberten und gegen künftige Invasionen verteidigen würden“[55].

Da Parlament und Regierung sich antisemitischen Gesetzen verweigerten, organisierten die studentischen Gruppen zusammen mit der Eisernen Garde einen effektiven universitären Antisemitismus, der in den 1930er Jahren legal oder illegal funktionierte[56]. Er funktionierte durch eine Atmosphäre der körperlichen Gewaltandrohung und -anwendung und durch die „stillschweigende” Quotierung der Erstsemester nach konfessionell-ethnischen Kriterien. Die Forderung nach einem numerus nullus, den 1933 ein hochrangiger studentischer Repräsentant, Virgil Gavrielescu, in Jassy vorschlug, fand vorerst kein Gehör, da das „principul proportionalitatii etnice” diskret angewandt wurde[57]. Angesichts dieser Praktiken nahm der Anteil jüdischer Studenten deutlich ab. Wie in anderen Universitätsstädten beobachteten die „christlichen” Studentenorganisationen in Klausenburg den „ausländischen” Anteil unter der Studentenschaft; für 1936 konnten sie ein „Optimum” feststellen, nämlich lediglich 24% Ungarn, 10% (Siebenbürger) Sachsen, d.h. Deutsche und 3% Juden[58]. Um Spannungen abzubauen, entschloss sich das Kultusministerium, die Fakultäten für Pharmazie in Jassy und Klausenburg zu schliessen und die Ausbildung in Bukarest zu konzentrieren. Begründet wurde diese Massnahme mit der zunehmenden, d.h. angesichts der Arbeitslosigkeit zu hohen Zahl von Absolventen und der „exzessiven” Anzahl von Angehörigen der Minderheiten. Trotz der Opposition der Professoren in beiden Provinzuniversitäten, die die Meinung vertraten, dass man nicht „unsere wissenschaftlichen Einrichtungen aufs Spiel setzen sollte, um den Kampf gegen die Minderheiten zu führen”, wurden die Fakultäten geschlossen[59]. Dadurch konnte der Anteil jüdischer Studenten in Klausenburg und Jassy weiter gesenkt werden.

Offensichtlich sind nach 1935 zahlreiche jüdische Oberschulabsolventen und Studierende emigriert, wie die erhöhte Nachfrage nach und Ausgabe von Reisepässen vermuten lässt. Hier liegen in den Polizeiarchiven noch ungehobene Schätze, die Auskunft über die Abwanderung symbolischen Kapitals geben könnte, ein Prozess, der mit der Verdrängung „jüdischer” Wissenschaftler und Studenten aus Horthys Ungarn, „bürgerlicher” aus der frühen Sowjetunion und „nichtarischer” aus dem nationalsozialistischen Deutschland verglichen werden könnte. Der universitäre Antisemitismus stellt jedenfalls ein Baustein der Spezifica der rumänischen Wissenschaftsgeschichte der Zwischenkriegszeit dar, der zu zahlreichen Verwerfungen und Fehlentwicklungen führte und schliesslich in den 1940er Jahren Anschluss fand an die tödliche Politik der „Rassenreinheit”.

 


 


[1] 1912 hatte das alte Königreich Rumänien 7.234.919 Einwohner, 1920 Grossrumänien 15.541.424. Breviaire statistique de la Roumanie. 1940, Bukarest, Zentralinstitut für Statistik, S.9.

[2] Leonida Colescu, Analiza rezultatelor recensãmintului general al populaþiei României de la 1899, mit einem Vorwort von Sabin Manuilã, Bukarest, Zentralinstitut für Statistik, 1944; Sabin Manuilã und D.C. Georgescu, Populaþia României, Bukarest, Nationaldruckerei, 1937; S. Manuila, Etudes sur la démographie historique de la Roumanie, hrsg. von Sorina und Ioan Bolovan, Klausenburg 1992.

[3] Das reichte von verbaler Judenhetze, Behinderung jüdischer Studenten, Universitätsgebäude zu betreten (und Kurse oder Vorlesungen zu besuchen), über körperliche Verletzungen und Schlägereien bis zu Lynchmorden. Seit 1920 galt ein informeller numerus clausus, der Ende der 1930er Jahre zum numerus nullus wurde.

[4] Th. Armon, The Economic Background of Antisemitism in Romania between the World Wars: C. Z. Codreanu and the Jewish Trade, 1918-1940, in: SHVUT. Studies in Russian and East European Jewish History and Culture 1-2 (1995), 296-331.

[5] Carol Iancu, L'Emancipation des Juifs de Roumanie (1913-1919), Montpellier, CREJH, 1992.

[6] Liviu Rotman, Educational and Social Structures of Romanian Jews at the Turn of the Century, in: „Studia Judaica”, Klausenburg, II (1993), 92-102; idem, ªcoala israelito-românâ (1851-1914), Bukarest, Hasefer, 1999; Lucian Nastasã, Educatia scolarã la evrei ºiieºirea din ghetou”, in Insula. Despre izolare ºi limite în spaþiul imaginar, hrsg. von Lucian Boia, Anca Oroveanu und Simona Corlan-Ioan, Bukarest, New Europe College, 1999, S.269-279.

[7] Lucian Nastasã, Itinerarii spre lumea savantã. Tineri din spaþiul românesc la studii în strãinãtate (1864-1944), Cluj, Limes, 2006, S.104-106, 112-123.

[8] In: „Revue de Transylvanie”, I (1934), No. 1, S.45-60. Nachdruck in: S. Manuilã, Etudes sur la démographie historique de la Roumanie, hrsg. von Sorina und Ioan Bolovan, Cluj, 1992, S.32-48. Die damalige Presse war von der Idee der „Rumänisierung” geradezu besessen. Dutzende Artikel befassten sich mit den „Gefahren”, die angeblich von den Minoritäten ausgingen. So schlug die Klausenburger Zeitung „Neue Dacia” 1933 vor, in den freien Berufen, in der Industrie und im Handel eine numerus clausus zugunsten der ethnischen Rumänen von 75% einzuführen und die „Ausländer” aus den öffentlichen Diensten zu entfernen, schliesslich seien „die Ungarn und die Juden die gefährlichsten Kräfte in der Welt”. „Neue Dacia“, 4. Mai 1933, Nr. 92, S.1; 1. November 1934, Nr. 239, S.2. In der zuletzt genannten Ausgabe wurde auch verlangt, dass „junge Leute, die einen unserer Nation Fremden” heirateten, sozial geächtet werden sollten, da aus solchen Ehen die „Totengräber” der rumänischen Nation entspringen würden.

[9] I.E. Toroutiu, Proporþia ºi clasele sociale din Bucovina, Bukarest, Bukowina-Bibliothek, 1916, S.61, 75, 82 und 194. Auch: R.A. Kann, Z.V. David, The Peoples of the Eastern Habsburg Lands, 1526-1918, Seattle, University of Washington Press, 1984.

[10] H. Sternberg, Zur Geschichte der Juden in Czernowitz, in: Geschichte der Juden in der Bukowina, II, hrsg. Hugo Gold, Tel Aviv, Olamenu, 1962, S.46, sowie der Artikel „Czernowitz” im Philo-Lexikon von 1936, ND Frankfurt am Main, Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, 1992.

[11] Femeile în învãþãmântul universitar, in: „Patria”, 12. Oktober 1919, Nr. 189, S.2; Femeile care studiazã, in: „Patria”, 14. September 1920, S.197.

[12] Hier sind die Jahrbücher der Universität Bukarest für die fraglichen Jahre heranzuziehen. 1903/04 bestand die Universität aus fünf Fakultäten, für Theologie, Philologie/Philosophie, Naturwissenschaften, Medizin und Pharmazie. In der Zwischenkriegszeit entstand eine weitere Fakultät, nämlich für Veterinärmedizin.

[13] A. Morariu, Sã apãrãm prestigul universitãþii noastre, in: „Glasul Bucovinei”, IV, Nr. 647, 4. März 1921, S. 1-2; F. Dobos, D-nii Last ºi Ehrlich la universitatea noastrã?, in: „Glasul Bucovinei”, IV, No. 652, 10, März 1921, S. 1 sowie in Nr. 655, 13. März 1921, S.2, und in Nr. 656, 15. März 1921, S.1; R. Cândea sprach sich ebendort am 15. März gegen Ehrlich aus, und zwar wegen des „heftigen Pro-Germanismus eines Juden”.

[14] Din Iaºi, in: Patria I, Nr. 179, 2. Oktober 1919, S.4.

[15] L. Colescu, wie Fn. 2, S.84.

[16] In einem Comerciantiii romani überschriebenen Artikel in „Patria“, I, Nr. 120, 16. Juli 1919, S.1 wird folgendes Bild vermittelt: „Wenn man durch unsere Städte fährt und die Namensschilder liest, so findet man fast nur jüdische, deutsche und ungarische Namen; in der Moldau jüdische Namen aus der Bukowina oder Bessarabien; in der Wallachei und Dobrudscha zumeist rumänische, aber auch eine beträchtliche Minderheit griechischer, jüdischer und armenischer Namen ..."

[17] L. Colescu, wie Fn. 2, S- 86-87. Auch I.M. Dinescu, Fiii neamului de la 1859 la 1915. Statistica socialã pe înþelesul tuturora, Jassy, N. V. Stefaniu Institut, 1920.

[18] Traian Bratu, Politica naþionalã faþã de minoritãþi. Note ºi observanþiuni, Bukarest, Culturã Naþionalã, o.J., S.21.

[19] Von den 8.369 Schülern an Ober- oder Berufsschulen in Bessarabien waren 1919/20 75,3% jüdisch, 18,35% christlich-orthodox, d.h. nahezu ausschliesslich ethnisch rumänisch, 4,18% katholisch und protestantisch. A.C. Cuza, Despre poporaþie. Statistica, teoria, politica ei. Studiu economic ºi politic, ed. II, Bukarest, Independenþa Verlag, 1929, S.657.

[20] Im Staatsarchiv in Jassy, Universität „Al. I. Cuza”, Rektorat, 926/1920 finden sich zwei Bände mit mehr als 600 Seiten, die die Ausstellung von „certificate de pauperitate” behandeln.

[21] Staatsarchiv in Jassy, Gerichtstribunal, Sektion II, 169/1921.

[22] W. McCagg, Jews in Revolution: The Hungarian Experience, in: “Journal of Social History”, 23 (1972), S.78-105.

[23] Staatsarchiv Jassy, Universität „Al. I. Cuza”, Rektorat, 926/1920, Bll. 44-47.

[24] Ebenda, 930/1920, Bl. 32.

[25] Ebenda, 953/1921, Bl. 110.

[26] Ebenda, Bl. 109. Die sozialistischen jüdischen Studenten wurden gefasst, als sie Flugblätter verteilten. Da sie einen starken Gruppenzusammenhelt bewiesen und untereinander russisch sprachen, glaubten die rumänischen Behörden an eine Verschwörung.

[27] Ebenda, 1087/1925, Bl. 93.

[28] Andor Ladányi, Az egyetimi ifjúság az ellenforradolom elsö éveiben 1919-1921, Budapest, Akadémai Kioadó, 1979; V. Karady, I. Kemény, Antisémitisme universitaire et concurrence de classe: la loi du „numerus clausus” en Hongrie entre les deux guerres, in: Actes de la recherche en sciences sociales”, Nr. 34 (September 1980), S.67-96; N. Katzburg, Hungary and the Jews. Policy and Legislation, 1920-1943, Ramat-Gan, Bar Ilan University Press, 1981; R.L. Braham, A Magyar Holokauszt, Gondolat-Budapest, Backburn International Inc., Wilmington, 1981.

[29] Auch auf der Oberschulebene ist dieser Trend, und zwar besonders im nördlichen Siebenbürgen (in den neuen Grenzen) zu bemerken. Unterlagen dazu im Staatsarchiv in Jassy, Universität, Philologisch-Philosophische Fakultät, Korrespondenz 296/1938-39, Bl. 1425.

[30] V. Karady, I. Kemény, Les Juifs dans la structure des classes en Hongrie. Essai sur les antécédants historiques des crises d'antisémitisme au XXe siècle, in: Actes de la recherche en sciences sociales”, Nr. 22 (Juni 1978), S.26-59; W.O. Cagg Jr., History of Habsburg Jews, 1670-1918, Bloomington, Indiana University Press, 1988; V. Karady, Zsidó identitás és asszimiláció Magyarországon, In: Moszgó Világ”, 8 (1988), S.26-49; 9 (1989), S.44-57; Jehuda Don und V. Karady, Hrsg., Social and Economic History of Central European Jewry, New Brunsvick, London Transaction Publ.; V. Karady, Egyenlötlen elmagyarosodás avagy hogyan volt Magyarország magyar nyelvü ország, in: Századvég”, 2 (1990), S.5-36; M.K. Silber, Hrsg., Jews in the Hungarian Economy 1760-1945. Studies Dedicated to Moshe Carmilly-Weinberger on his Eightieth Birthday, Jerusalem, The Magnes Press, The Hebrew University, 1992; V. Karady, Zsidóság, polgárosodás, asszimiláció. Tanulmányok, Budapest, Cserépfalvi Kiadása, 1997.

[31] Der Präsidenten der Union Siebenbürger Juden, T. Fischer, stellte einerseits fest, dass die siebenbürger Juden in der Vergangenheit enge kulturelle und politische Bindungen mit Ungarn eingegangen waren, andererseits rief er wegen des in Ungarn politisch geförderten Antisemitismus dazu auf, sich politisch in den rumänischen Staat zu integrieren. „Patria“, II, Nr. 6, 7. Januar 1920, S.3.

[32] Julia Balogh, Das Bildungswesen der ungarischen Minderheit in Rumänien zwischen 1918 und 1940, in: F. Glatz, Hrsg., Ethnicity and Society in Hungary, II, Budapest, Institute of History of the Hungarian Academy of Sciences, 1990, S.381-392.

[33] Beispielhaft die Liste Directorii liceelor din Transylvania, in „Patria“, I, Nr. 145, 15. August 1919, S.4, aus der hervorgeht, dass zu Gymnasialdirektoren nahezu ausschliesslich ethnische Rumänen berufen worden waren. Es ist bezeichnend, dass Marton Roska, ein bekannten Archäologe armeinscher Herkunft an der Universität Klausenburg, 1936 zu drei Monaten Gefängnis verurteilt wurde, weil er einige Arbeiten in A történelmi Erdély (Budapest 1936) veröffentlicht hatte und dort die ungarischen Orts- und Flurnamen benutzt hatte. „Patria“, X , 1936, Nrs. 204, 207ff.

[34] Die 1872 in Klausenburg gegründete ungarische Universität wurde nach Szegedin verlegt.

[35] Leon Volovici, Nationalistic Ideology and Antisemitism. The case of Romanian Intellectuals in the 1930's, Oxford etc, 1991.

[36] Nach dem Titel eines Aufsatzes in „Patria“, I, Nr. 176, 23. September 1919, S.1.

[37] V. Mãrãscu, Unde mergem?, in: „Glasul studenþimii“, I, Nr. 1, 18. März 1934, S.2-3.

[38] M. Eliade, O generaþie, in: „Cuvântul studenþesc“, IV, Nr. 2, 4. Dezember 1927, S.1.

[39] Irina Livezeanu, Cultural Politics in Greater Romania. Regionalismus, Nation building, and Ethnic Struggle, 1918-1930, Ithaca, NY und London, Cornell University Press, 1995 (2000).

[40]Glasul studenþimii”, I, Nr. 13, 7. September 1934, S.3.

[41] Diese Vorstellung entbehrt jeder Realität: W. Filderman, Adevãrul asupra problemei evreieºti din România în lumina textelor religioase ºi a statisticii, Bukarest, Triumful. Tip., 1925. (Ähnliches wurde auch in Deutschland von rechtsradikaler Seite verbreitet, auch dort ohne faktische Substanz.).

[42] Unter diesem Aspekt sind die Memoiren eines ehemaligen Jurastudenten und Mitglieds der Eisernen Garde von Interesse: Nae Tudoricã, Mãrturisiri în duhul adevãrului, Bacãu, Plumb, 1993.

[43] Nach dem Jahrbuch der Universität Klausenburg 1919-1920, ed. II, Klausenburg, Nationalverlag, 1931, S.14-15; „Patria“, II, Nr. 219, 12. Oktober 1920, S.2.

[44] Al. Tomescu Bãlteºti, Pe când românul moare de foame, jidanul Max Auschnitt se scaldã în milioane, in: „Glasul studentimii“, I, Nr. 11, 5. August 1934, S.3; N. Astratinei, O ploºniþã maþionalã: Auschnitt, ebenda, Nr. 17, 4. November 1934, S.1.

[45] So rechtfertigte ein christlicher rumänischer Student im Februar 1925 den numerus clausus: Es sei nur natürlich gewesen, dass es in Jassy zu den massiven Zusammenstössen gekommen sei; denn dort hätten die „Moldauer zusammen mit den Bessarabischen Juden die überwältigende Mehrheit gestellt und die Zukunft unseres Landes gefährdet”. Staatsarchiv Jassy, Universität, Rektorat, 1087/1925, Bll. 41-42.

[46] Staatsarchiv Jassy, Universität, Philologisch-Philosophische Fakultät, Korrespondenz, 138/1937-38. Die Gesellschaft hatte den Rektor von ihrer Entscheidung vom Februar 1937 informiert, die ungarische Sprache in den Räumlichkeiten ihrer Fakultät zu verbieten. Ebenda, 443/1936-37.

[47] Staatsarchiv Jassy, Universität, Rektorat, 897/1918, Bll. 132-133.

[48] Staatsarchiv Jassy, Universität, Rektorat, 897/1918, Bl. 231.

[49] Dies führte am 13. und 16. Juni 1920 zu grösseren Unruhen in der Stadt: so wurden die Redaktionsräume und die Druckerei verwüstet, und die kompletten Ausgaben der Zeitung wurden auf dem Platz der Union verbrannt. „Lumea“, III, Nr 495, 17. Juni 1920; Staatsarchiv Jassy, Universität, Rektorat, 930/1920, Bll. 35-38.

[50] Der Angelegenheit wurde durch einen Broschüre von A. C. Cuza, Numerus clausus, Bukarest 1924, ein theoretischer Anstrich gegeben. Auf der Grundlage der Hochschulstatistik von 1922/23 ermittelte er in Jassy einen drchschnittlichen Anteil von 35,55% jüdischer Studenten, während es in der Medizinischen Fakultät 61,07% und in der Pharmazeutischen Fakultät sogar 75,5% waren. Nach dem numerus clausus-Prinzip hätten nur 5% der Studentenschaft jüdisch sein dürfen.

[51] Staatsarchiv Jassy, Universität, Rektorat, 1037/1923, Bl. 5: Anordnung Nr. 76 vom 15. November 1923. Eine ähnliche Entscheidung hatte auch der Senat am 5. November 1923 gefällt, ebenda, Bl. 10, der zum Protest jüdischer Studenten geführt hatte, ebenda, Bll. 14-15.

[52] Staatsarchiv Jassy, Universität, Rektorat, 1047/1924, Bl. 663.

[53]Romania“, III, Nr. 410, 27. Februar 1925, S.4.

[54] Staatsarchiv Jassy, Universität, Rektorat, 1047/1924, Bll. 324-325, 389.

[55] Staatsarchiv Jassy, Universität, Rektorat, 1057/1924, Bll. 16-17.

[56] Zur Eisernen Garde, mit einer Analyse ihrer ideologie und ihres Führungspersonals: Kurt W. Treptow und Gh. Buzatu, „Procesul” lui Corneliu Zelea Codreanu 1938, Jassy, 1994, I-LXII.

[57] Gavrilescu wurde dafür vor Gericht gestellt. „Glasul studenþimii“, I, Nr. 10, 22. Juli 1934, S.4; und R. Filimon, ebenda, Nr. 11, 5. August 1934, S.1. C. Kiriþescu, Suprapopulaþia universitarã. Proporþii, cauze, remedii, in: Viitorul XXVIII, Nr. 8236, 2. Juli 1935, S.1-2. Erst am 14. Oktober 1940 legte eine Verordnung mit Gesetzeskraft fest, dass, unabhängig von der Religionszugehörigkeit, niemand, dessen Eltern oder Vater jüdisch waren, eine der staatlichen Universitäten Rumäniens besuchen durfte.

[58]Glasul studenþimii“, II, Nr. 27, 22. September 1935, S.4, und ebenda, II, Nr. 43, 20. Dezember 1936.

[59] Nach den Jahrbüchern der Universität Jassy für 1930-1935, Jassy, 1936, S.62.